Wieviel Trinkgeld gibt man in Spanien?

Beim Thema Trinkgeld in Spanien können Sie sich selbst von einigen namhaften Online Reiseführern (Ich nenne mal lieber keine Namen) ordentlich in die Irre führen lassen (dejarse engañar por algo  – auf etwas hereinfallen) . Da ist von gleichen Verhältnissen wie in Deutschland und von typischerweise 10% Trinkgeld die Rede.

10% Trinkgeld in Spanien? Kaum!

Glauben Sie mir: Im „richtigen“ Spanien erwartet kein Kellner von Ihnen ein Trinkgeld (la propina – das Trinkgeld) von 10%. Unter Residenten an der Costa Blanca oder auf Mallorca mag das anders sein, und vielleicht sind auch die Kellner im Puerto Olímpico von Barcelona etwas von den Touristen verwöhnt.

Wenig Trinkgeld hat in Spanien nichts mit Geiz zu tun

Wenn Sie jedoch in Madrid einen Snack und Getränke bezahlen, geben Sie im Normalfall wenig oder kein Trinkgeld. Ich will hier nicht zum Geizig sein animieren – ich schreibe nur, wie es ist. In Spanien wird das auch nicht als Geiz (ser tacaño – geizig sein) interpretiert sondern es hat sich ebenso etabliert und man fragt sich in Spanien vermutlich, warum im Rest der Welt eigentlich die Gäste den Lohn der Kellner bezahlen sollen.

Selbst bei einem Abendessen mit mehreren Freunden ist es mit einem kleinen Trinkgeld mit ein paar Münzen getan, wenn Sie sich an spanische Sitten (las costumbres – die Sitten) halten möchten. War der Service besonders gut, freut sich der Kellner natürlich über ein ordentliches Trinkgeld, wundert sich vielleicht aber auch ein wenig.

„Stimmt so“ gehört nicht zum Bezahl-Ritual

Beim Bezahlen sagen Sie niemals „Stimmt so“ oder den aufgerundeten Betrag, den Sie bezahlen möchten. Stattdessen warten Sie nach Bestellen der Rechnung (pedir la cuenta – die Rechnung bestellen) auf die selbige, die im Normalfall auf einem kleinen Brettchen oder in einer kleinen Box präsentiert wird.

„En efectivo“ oder „Con tarjeta“?

Zahlen Sie in bar („Pago en efectivo“ – Ich zahle bar), dann legen Sie das Geld in die Box oder auf das Brettchen und warten, bis der Kellner es abholt, um Ihnen Ihr Restgeld zu bringen. Das kann etwas dauern und hat nichts damit zu tun, dass man Sie zum Trinkgeldgeben animieren möchte.

Sobald Sie Ihr Restgeld (el cambio – das Restgeld) haben, entscheiden Sie, wieviel davon Sie dem Kellner als Trinkgeld lassen möchten. Manchmal geben Sie auch noch ein paar Euro dazu – je nach Gesamtsumme am Tisch. Zahlen Sie mit Karte („Pago con tarjeta“ – Ich zahle mit Karte), dann legen Sie einfach die Karte in die Box oder auf das Brettchen und warten geduldig, bis Sie zur Unterschrift bzw. zur Eingabe des PINs aufgefordert werden. Auch in diesem Fall hinterlassen Sie das Trinkgeld in Form von Münzen (la moneda – die Münze) und nicht, indem Sie einen anderen Betrag für die Abrechnung der Kreditkarte vorschlagen.

Im Taxi wird maximal aufgerundet

Auch im Taxi wird von Ihnen kein üppiges Trinkgeld erwartet. War Ihr Fahrer nett, dann runden Sie den Betrag auf den nächsten Euro auf. Mir erging es auch schon mehrfach so, dass ein Taxifahrer von sich aus abgerundet hat, wenn die Euro-Schwelle gerade überschritten wurde. Wie sind Ihre Erfahrungen zum Thema Trinkgeld in Spanien? Haben Sie ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht? Ich freue mich wie immer auf Ihre Nachrichten, Kommentare etc. P.S.: Bar Nestor aus dem Beitragsbild – sehr empfehlenswert für Ihren nächsten Besuch in San Sebastian!

FIT FOR SPAIN – Der Spanien Blog

7 Kommentare

  1. Martina Marinari

    ich weiss zwar dass Trinkgeld in Spanien nicht üblich ist ( hat wohl auch etwas mit dem Stolz zu tun ) Ich gebe aber immer wenn ich zufrieden bin ein Trinkgeld und bei einem erstaunten Gesicht sage ich dann einfach : en alemaña es obligatorio para un buen servicio . Dann folgt auf dem Gesicht gegenüber ein Lächeln und ein “ muchas gracias “ und das wars dann 🙂

  2. Soll doch jeder machen wie er es mag… ich finde es furchtbar dass so genannte Fachleute immer genau wissen was man so macht und was nicht …. Wenn jemand stolz ist um Trinkgeld anzunehmen kann er es doch spenden ….. Schlimm dass heute alles so verallgemeinert wird….

    • Thorsten

      Ich finde es schlimmer, dass wir Deutschen meinen, alles mit Geld regeln zu können. Klar freut sich jeder über Geld, aber so geldgeil wie wir deutschen/westeuropäer ist glaube ich, kaum ein Volk. Ich glaube kaum, dass da etwas verallgemeinert wird und ich denke auch, dass es nicht der Stolz sondern eher das Pflichtbewusstsein ist. Der Kellner weiss, er wird für diesen Service (seinen Job) bezahlt (von seinem Chef) und macht ihn bestenfalls mit Liebe. In einigen asiatischen Ländern zum Beispiel ist ein Trinkgeld eine Beleidigung. Gibt man dort zum Beispiel ein Trinkgeld, erweckt es beim Kellner den Eindruck, er habe seinen Job schlecht gemacht. Es signalisiert, dass du ihm mehr Geld gibst, weil du der Meinung bist, dass er von seinem Chef zu wenig Geld bekommt und er entsprechend schlecht den Job erledigt. Darum bin ich der Meinung, man sollte sich immer vor dem Besuch in einem Land über die Üblichkeiten schlau machen. Meiner Meinung nach ist ein Trinkgeld niemals erforderlich, da man den Service in der Rechnung mit bezahlt und es die Aufgabe des Unternehmers ist, diese Leistung entsprechend zu entlohnen. Zur Info, ich gebe meistens auch ein großzügiges Trinkgeld, wenn ich mit dem Service zufrieden bin, weil ich weiss, dass gerade in dem Bereich die Angestellten schlecht bezahlt sind.

  3. Seit dem ich mal erstaunte Gesichter geerntet habe, als ein grösseres Paket die Treppen hoch gewuchtet wurde, habe ich es lieber gelassen.

    Andererseits, vor 15 Jahren habe ich in den Bars schon gesehen, dass meist etwas Kleingeld auf dem Tellerchen mit der Rechnung blieb, z.B. beim Bezahlen das Kaffees. Heutzutage allerdings kaum.

    Hat sich das geändert?

  4. Ich finde es eigentlich nicht schlimm Trinkgeld zu geben, wenn man allerdings weiß, dass diese so nicht gehandhabt wird, dann sollte man sich dem einfach anpassen.

  5. Ich lebe nun seit etwa drei Jahren in Andalusien. Die Löhne hier sind gerade für Kellnerinnen und Kellner in den Bars sehr klein (manchmal nur 3 EUR die Stunde). Darum gebe ich gerne Trinkgeld, wenn der Service gut war. Da das auch hier im Süden ansonsten eher unüblich ist, gebe ich maximal 10%, um nicht großspurig zu wirken. Meine Erfahrung damit ist, dass sich die Leute immer gefreut haben. Weder hat jemand überrascht geschaut, noch schien man peinlich berührt. Über einen kleinen Zuverdienst freut sich jeder. Das hat ja nichts mit Geldgeilheit zu tun. Darum gehe ich davon aus, dass das so verkehrt nicht gewesen ist, wie ich es bisher gehandhabt hatte.

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