So denken Spanier über Deutsche!

Wie werden Deutsche in Spanien gesehen? Welches Image haben die Deutschen in Spanien? Ich beziehe mich hier nicht auf das gängige Bild des Mallorca-Touristen, der frühmorgens Liegestühle reserviert und nachmittags mit Sangría-Eimern die Playa de Palma auf und ab schlendert. Vielmehr möchte ich einen Einblick darüber geben, welche Eindrücke über Deutsche im (Geschäfts-)Alltag sich bei vielen Spaniern verfestigt haben. .

Stereotypen haben ihre Berechtigung

Es fällt auf, dass man in Spanien immer wieder die gleichen Aussagen über Deutsche hört. Zu Beginn versuchte ich viele dieser gefühlten Vorurteile bei meinen spanischen Freunden und Bekannten stets als veraltet und nur noch vereinzelt vorkommend abzutun oder zu relativieren.

Mit der Zeit haben sich jedoch, so muss ich heute feststellen, einige Merkmale herauskristallisiert, die uns Deutschen wohl in vielen Fällen zurecht zugeschrieben werden.
Durch die gemeinsame Arbeit mit spanischen und deutschen Partnern, gemeinsame Freizeit mit spanischen und deutschen Bekannten, nach zahlreichen Stunden im Flugzeug mit deutschen und spanischen Mitreisenden und nach so einigen Besuchen von deutschen Kollegen und Freunden in Spanien haben sich einige dieser Eindrücke verfestigt.

Keine Wertung, nur Bewusstseinsschaffung

Im Folgenden werde ich meine Beobachtungen darstellen, die mir so auch von anderen Expatriates und Auswanderern bestätigt wurden und die vermutlich nicht nur den Spaniern an „uns“ aufgefallen sind.

Auch wenn manche Formulierungen eventuell den Anschein erwecken, so soll es sich um keine Wertung handeln und ich suggeriere auch nicht pauschal, dass „wir Deutsche“ dies oder das ändern sollten.

Ich bin jedoch überzeugt davon, dass uns ein Bewusstsein für das, wie wir von vorneherein wahrgenommen werden, in verschiedenen Situationen weiterhelfen kann. (Während ich dies schreibe, fühle ich mich an meinen NLP-Crashkurs erinnert, aber dies nur nebenbei.  [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuro-Linguistisches_Programmieren])

Deutsche gelten in Spanien als ehrlich.

Während im Allgemeinen das hohe Misstrauen unter Geschäftsleuten anhand zahlreicher Aspekte zu sehen ist, gehen Sie hier als Deutscher mit einem klaren Bonus ins Rennen.

Ihnen wird vielleicht auffallen, dass es in Spanien keine Zeitungskästen wie in München oder Köln gibt und dass Sie Ihre Getränke in einer Bar stets sofort begleichen müssen. Manche Ihrer Geschäftspartner werden vielleicht nervös, wenn es um die Verhandlung von Zahlungskonditionen geht. Allgemein kann man sogar feststellen, dass nicht nur bei Verhandlungen mit der Wahrheit und Fakten in Spanien (flexibel, dehnbar)  und Deutschland (im Normallfall rigide) unterschiedlich umgegangen wird. Daran muss man sich gewöhnen und darf Dinge nicht allzu persönlich nehmen.

In jedem Fall haben hier anscheinend deutsche Geschäftsleute und/oder Vertriebsmitarbeiter in der Vergangenheit mit ihrem Beratungsansatz und einer gewissen Transparenz sehr gute Arbeit geleistet, weshalb Sie als Deutscher hier definitiv einen leichten Vorteil bezüglich Vertrauens- und Glaubwürdigkeit haben. Bleibt zu hoffen, dass jüngste Korruptionsskandale bei deutschen Großkonzernen wie Siemens, oder der Manipulationsskandal bei VW hier nicht zu einem dauerhaften Umdenken führen.

Mangelnde Flexibilität

Im Allgemeinen sagt man über uns Deutsche in Spanien, dass wir nicht besonders flexibel seien. Um genauer zu sein, geht es hier nach meiner Erfahrung um zwei verschiedene Phänomene:

Deutsche sind regel- und prozessgesteuert

Einerseits wird uns Deutschen relativ pauschal unterstellt, dass uns aufgrund unserer Regel- und Prozesstreue jegliche Fähigkeit des flexiblen Denkens und Handelns abhandengekommen ist.

Abgesehen von der fehlenden Fähigkeit unterstellt man uns außerdem aber oft auch einen fehlenden Willen zur Flexibilität.

Mein persönliches Resümee nach fünf Jahren Zusammenarbeit mit spanischen Kunden, einem spanischen Team und der Firmenzentrale in Deutschland fällt recht eindeutig aus: Das Vorurteil trifft zu, wobei ich eher zur ersten Variante tendiere und davon überzeugt bin, dass uns Deutschen durch unseren Fokus auf Effizienz, Prozesse, Timelines, Regeln und Gesetze manchmal einfach die nötige Flexibilität (und nicht unbedingt der Wille)  und das nötige Fingerspitzengefühl fehlen. Vielleicht haben Sie in diesem Zusammenhang schon einmal den Begriff „cabeza cuadrada“ („Quadratschädel“) gehört. Deutsche in Spanien werden recht häufig als „cabezas cuadradas“ bezeichnet. Das ist kein Kompliment, aber auch keine wirklich schlimme Beschimpfung.

Als Gegenpol seien  die spanische Kreativität und Improvisationskunst erwähnt, die ich später im Artikel  „TYPISCH SPANISCH“ näher erläutern werde.

Deutsche gelten mitunter als kaltherzig

Ein zusätzlicher Aspekt, der mit dem genannten Mangel an Flexibilität in Zusammenhang steht, ist der alte, vielleicht auch geschichtlich begründete Vorwurf, dass wir Deutschen in gewissen Situationen sehr kaltherzig reagieren.

Im Zweifel werden nach dieser Einschätzung eher Befehle, Regeln oder Gesetze starr befolgt, anstatt ein Minimum an Sensibilität und Fingerspitzengefühl zu zeigen. Man kann über die in den letzten Jahren von Deutschland verhängte Spardoktrin unterschiedlicher Meinung sein. Angekommen ist sie in Spanien und vermutlich auch in den anderen südlichen Ländern (teilweise ja auch abfällig als „Olivenstaaten“ bezeichnet) als kaltherzig und arrogant.

Flüchtlingspolitik zeichnet Bild von großzügigem Deutschland

Auch über ein weiteres politisches Ereignis der jüngeren Geschichte kann man unterschiedlicher Meinung sein: Die Öffnung der Grenze und Aufnahme von zahlreichen Flüchtlingen Ende 2015 hat aber trotz Alleingang zumindest teilweise für Verblüffung gesorgt, da man so viel Mitgefühl, Großzügigkeit und Flexibilität von Deutschland vorher nicht gesehen hatte.

Deutsche gelten oft als langweilig und humorlos

Traditionell galten oder gelten Deutsche in Spanien als tendenziell etwas langweilig („sosos“)  und humorlos (demasiado serios). Ich erinnere mich noch sehr gut an mein Erasmus Austauschjahr in Valencia und an den vorangehenden Sprachkurs in Gandía. Verblüfft stellten wir damals fest, wie sich Bars im Nu in Tanzflächen verwandelten während wir zumindest zu Beginn noch recht schüchtern an unseren Flaschen nuckelten. Vermutlich bestätigte ich damals das spanische Vorurteil, dass Deutsche sehr viel Alkohol benötigen, um ein bisschen aus sich herauszugehen. Wunderbar auf den Punkt gebracht hat dieses Thema der Kinofilm „L’Auberge Espagnole“ über Erasmus-Studenten in Barcelona. [https://de.wikipedia.org/wiki/L%E2%80%99auberge_espagnole].

Fast 15 Jahre später ist mein Eindruck, dass jüngere Generationen von Erasmus-Studenten dieses Bild der Deutschen in Spanien stark verändert haben. Dazu kommen weitere Phänomene wie beispielsweise die deutsche Fussball-Nationalmannschaft, die in den letzten zehn Jahren auf und neben dem Platz ein sehr positives Bild von jungen Deutschen präsentiert hat.

Deutsche gelten als Besserwisser

Ebenfalls bestätigen kann beziehungsweise muss ich zumindest teilweise eine deutsche Eigenschaft, die von den Spaniern (und ich gehe davon aus, dass dies in anderen Ländern genauso ist)  wenig geschätzt wird. Wir Deutsche seien besserwisserisch und würden uns zu sehr in Themen einmischen, wo eine gewisse Distanz angebracht wäre.

Es dauerte einige Zeit, bis ich diese Einschätzung, oder man könnte auch sagen Kritik, von spanischen Freunden in aller Offenheit bei einer Flasche Wein anhand verschiedener Beispiele erläutert bekam.

Das Urteil klingt im ersten Moment zu pauschal, aber wurde in meiner Anwesenheit in den letzten Jahren recht häufig bestätigt. Ein Paradebeispiel hierfür ist die nationale Politik, wo man sich mit gefährlichem Halb-(Spiegel-Online)-Wissen recht schnell auf Glatteis begeben kann.

Haben Sie Beispiele, Feedback, andere Erfahrungen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Fortsetzung folgt.

1 Kommentare

  1. Hallo, ich bin Österreicherin und in Pension und überwintere erstmalig auf Teneriffa. Den Eindrücken kann ich nur zustimmen, möchte hinzufügen. Die lockere und freundliche Mentalität begleitet mich seit dem 1. Tag. Z.B. ich hole mir noch schnell vor einer Wanderung 2 Bananen in einem kleinen Shop, ich bezahle 2 und bekomme 2 überreife☺dazu geschenkt und solche Beispiele habe ich oft erleben dürfen. Bei uns werden Lebensmittel entsorgt, bevor sie verschenkt werden…ich komme im nächsten Winter wieder und nicht nur wegen der 2 Bananen

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